Jubelkonfirmation in St. Marien

Jubelkonfirmation in St. Marien: Gedenken an Einsegnung vor 75, 60 und 50 Jahren

Es war ein festlicher und ein familiärer Gottesdienst zugleich: Angeführt von den Kirchenvorstehern zogen am Sonntag 60 goldene und diamantene Konfirmandinnen und Konfirmanden und eine 75jährige Konfirmandin zu den Klängen des Gospel-Chores Joyful Voices in die St. Marien-Kirche ein. Zuvor hatte es im Gemeindehaus Schulterklopfen und Umarmungen beim Wiedersehen – oftmals nach vielen Jahren – gegeben. Eine Jubelkonfirmandin wurde zudem vor dem Gottesdienst im Gemeindehaus mit einem spontanen Ständchen zum 75. Geburtstag überrascht.

 Die 75jährige Konfirmandin war 1943 noch mitten im zweiten Weltkrieg in der Nazi-Zeit konfirmiert worden. Die diamantenen Konfirmandinnen und Konfirmanden wurden vor 60 Jahren im Jahr 1958 konfirmiert, als in Deutschland nur an den Wiederaufbau gedacht wurde und auch in Winsen das Wirtschaftswunder erkennbar war. In dem Jahr konnte die St. Marien-Kirche nach umfangreichen Sanierungsarbeiten erstmals wieder für Gottesdienste genutzt werden. Die goldenen Konfirmandinnen und Konfirmanden traten dagegen in den wilden 68er Jahren 1968 vor den Altar, als die Bewegung ihren Anfang nahm, die alte Traditionen in Frage stellte und gegen viele überkommene Verhaltensweisen revoltierte.

 Pastor Markus Kalmbach, der den Gottesdienst gestaltete, stellte in den Mittelpunkt seiner Predigt den Gedanken der Dankbarkeit. Trotz möglicherweise vieler persönlicher Rückschläge und Schwierigkeiten im Einzelfall hätte man doch insgesamt viel Grund zur Dankbarkeit – Dankbarkeit für das Dach über dem Kopf, für das tägliche Brot und für sauberes Trinkwasser zum Beispiel. Zum Vergleich schilderte Kalmbach die Situation der Kinder im südlichen Afrika, die durch das Patenprojekt Swasiland durch den Kirchenkreis Winsen betreut werden. Die südafrikanische Partnerorganisation Hands at Work versuche die schwächsten Kinder, zumeist AIDS-Waise, zu erreichen, die sonst keinerlei Chance auf Hilfe haben. Ohne Zugang zu Essen, Bildung und medizinischer Versorgung seien diese Kinder extrem gefährdet. Die Dankbarkeit für die eigenen guten Verhältnisse könne schon mit einem Beitrag von 20 € im Monat ausgedrückt werden, womit ein Kind im südlichen Afrika einen Monat lang versorgt werden könne.

 Nach dem Gottesdienst tauschte Pastor Kalmbach den weißen Talar und die bunte Stola mit der Küchenschürze, denn die St. Marien-Stiftung hatte zum Essen im Gemeindehaus eingeladen, und der Pastor höchstpersönlich stand am Grill. Im Gemeindehaus-Garten kam es dabei zu zahlreichen Gesprächen, zu Wiedererkennen und der vielfachen Frage: „Was hast Du denn in den vergangenen Jahren nach der Konfirmation gemacht?“

 Das immer wieder gehörte Fazit der Jubel-Konfirmanden: Ein wunderschöner Tag in einer feierlichen und zugleich lockeren Atmosphäre.